Wenn ein historischer Sonderzug auf einer Nebenstrecke angekündigt wird, dann erwacht das Kind im Mann. Also auf, den Fotorucksack über die Schulter und die passende Stelle kannte ich auch.
Die eigentliche Frage aber war – in und aus welcher Perspektive lichtet man den Zug mit einer imposanten Dampflock vorne dran eigentlich ab? Also jenseits der üblichen Bilder, die es zigfach im Netz zu sehen gibt?
Die „Eingebung“ kam vor Ort – direkt von vorn und der Moment, wo sich die Dampflok direkt schräg vor der Kamera befindet!
Direkt von vorn sicherlich nicht ganz so selten, aber von schräg unten wird wohl nicht so häufig sein. Diese Idee kam etwas spät, daher die Zeit zur Vorbereitung eher kurz. Da bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich selber auf die Gleis zu legen…
Irgendwo da vorne muss er kommen…die Kamera und das Tele im Anschlag und flach im Wind zwischen den Schienen…
Jawoll, da rauscht er heran…
Nun wird es wohl langsam Zeit, von der Strecke zu kommen, die Lockführer schauen auch schon…
Keine Angst, hier war ich nicht mehr auf den Gleisen. Hier kam der Plan B ins Spiel. Und zwar in Form der Ricoh GRIII in einer schrägen Position direkt auf einer der Schwellen positioniert. Etwas provisorisch (von wegen der kurzen Vorbereitungszeit) aber gut genug und mit dem Handy gekoppelt. Und dann nur noch den Auslöser drücken, und drücken, und drücken…
Dieses rhythmische Fauchen der Dampfmaschine, das Mahlen der Achsen, das metallische Hämmern der Räder auf den Gleisen, diese Vibrationen und der Fahrtwind des Zuges – die kleine GRIII hielt es tapfer aus und die Szene für mich perfekt fest.
Und dann war es auch schon wieder vorbei, legte sich der Wind, fielen die aufgewirbelten Blätter und der Staub langsam wieder zu Boden…
Das gewünschte Bild der Lok von schräg vorn / unten war nicht so, wie es mir vorgestellt hatte. Etwas zu weit, zu statisch und ohne Dynamik. Aber dafür blieb ich auf dem Auslöser, ohne zu Wissen, was sich daraus ergeben kann – und die Perspektive des fahrenden Zuges von unten übertraf alle Erwartungen. Hier ist die Dynamik und Dramatik, von einem Zug überfahren zu werden, direkt spürbar.
Man kann schon auf komische Ideen kommen. Nein, nicht mit mir auf den Gleisen – es war nur eine Nebenstrecke, ein Sonderzug, der es gewohnt ist, fotografiert zu werden und ein sehr die Perspektive verkürzendes Tele. Es war die GRIII unter dem Zug.
Sie hat es ohne Schäden überstanden, brauchte nur eine Reinigung der Frontlinse. Und sie funktioniert immer noch einwandfrei.
Also in diesem Sinne allseits gutes Licht und bis die Tage wieder…